Fassadenbegrünung

Hoch hinaus für ein gutes Arbeitsklima

Berankte Fassaden bilden neben der erdgebundenen Vegetation und der Dachbegrünung die dritte Dimension, das vertikale Grün. Sie sind in der Lage, die sonst tote Fassade optisch und ökologisch zu beleben. Die Begrünung begünstigt ein ausgeglichenes Mikroklima. Marco Schmidt forscht am Institutsgebäude für Physik der Humboldt-Universität in Berlin-Adlershof und beschreibt die große begrünte Glasfassade eines Gebäudes: „Im Winter sind die Kletterpflanzen kahl, so dass Sonnenlicht die Glasflächen ungehindert passieren und die Heizung unterstützen kann. Im Sommer dagegen schützt die begrünte Fassade vor der Sonneneinstrahlung.“ Anders als herkömmliche Rollos, die sich im Sommer auf über 50 Grad Celsius aufheizen, bleiben die Kletterpflanzen kühl, schützen sich selbst und damit auch das Gebäude durch Verdunstung vor Hitze. So kühlen sie gleichzeitig auch die Umgebung. Mit Hilfe hunderter Sensoren hat Schmidt den Effekt der Pflanzen ermittelt. Die Kühlungsleistung der Pflanzen beträgt demnach im Sommer pro Fassade täglich 280 Kilowattstunden, was dem Energieverbrauch einer großen Klimaanlage entspricht. Bewässert wird die Fassadenbegrünung mit Regenwasser aus der eigenen Zisterne.

Voraussetzungen und Konstruktion

Eine Fassadenbegrünung erfordert ausreichenden Wurzelraum, eine sichere Wasserversorgung und eine geeignete und auf Dauer stabile Rankkonstruktion. Seile, Gitter, Stäbe und Netze aus (Edel-) Stahl eignen sich dafür. Da die Ranken die Konstruktion umschlingen und mit den Jahren armdicke holzige Triebe bilden, ist ein ausreichender Abstand zur Fassade von ca. 50 cm empfehlenswert. Für manche Arten wie den Blauregen benötigt man eine sehr stabile Konstruktion, da die Pflanze im Alter „Bärenkräfte“ entwickelt. Eine blühende Fassade mit Blauregen oder Clematis ist eindrucksvoll und schon fast ein Markenzeichen.

Die Kletterkünstler

Man unterscheidet Selbstklimmer wie Efeu oder Arten von wildem Wein, Schlinger wie den Blauregen und Spreizklimmer wie die Kletterhortensie. Selbstklimmer brauchen zwar kein Klettergerüst, können aber auf Dauer die Fassade schädigen.

Wichtige Rankpflanzen

An heimischen Arten gibt es nur Efeu, Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) und Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) und Wilder Hopfen. Diese Arten sind für Gewerbebauten nur sehr bedingt geeignet, da sie im halbschattigen Waldklima gedeihen. Geeignete, weil robuste Arten sind leider nicht heimisch: Schlingknöterich, Blauregen, Clematis (rosa, weiß), Wilder Wein (schöne Herbstfärbung), Kletterhortensie, Trompetenwinde, Winterjasmin.

Lebensraum

Begrünte Fassaden bilden einen attraktiven Lebensraum für Vögel, die hier nisten und das Leben ganz nah ans Gebäude bringen. Auch in dicht bebauten Gewerbegebieten finden sie dort ihren Nistplatz. (Text der Broschüre entnommen „Moderne Unternehmen im Einklang mit der Natur“, Hrsg: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 2013)

Platzsparendes innerstädtisches Grün

In zentralen Lagen sind die Grundstückspreise für Gewerbeflächen exorbitant teuer. Ein Zuwachs des Stadtgrüns kann die Qualität des Lebens- und Arbeitsraums verbessern. Da für das Grün aber kaum Bodenflächen zur Verfügung stehen, kann es eine Option sein, in die Senkrechte zu gehen.

Vegetationswand

Ganz im Trend liegen bepflanzte Fassaden wie z. B. die des Landschaftskünstlers Patrick Blanc. Es handelt sich hier nicht um herkömmliche bodengebundene, sondern um autarke Systeme. Es sind vorgebaute, statisch berechnete Fassaden mit einer Füllung aus Erdsubstrat und einer künstlichen Bewässerung. Diese Bauweise erfordert eine hochkompetente Planung und, um wirklich attraktiv zu bleiben, intensive Pflege. Aufgrund der hohen Kosten eignet sie sich nur für im Focus stehende prominente Gebäude und Innenstadtlagen. Hierfür allerdings können sie die erste Wahl sein. www.fassadenbegruenung.de

Quellenangaben

Moderne Unternehmen im Einklang mit der Natur Leitfaden für ein naturnahes Betriebsgelände Hrsg: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 2013

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