Dachbegrünung und Photovoltaik

Gründächer wirken wie Klimaanlagen

Dichte Bebauung verändert das Klima: Städtische Hitzeinseln entstehen, weil sich Beton und Asphalt viel stärker aufheizen als Grünflächen. Es fehlt die Kühlung durch verdunstendes Regenwasser. Einen Ausweg aus diesem Teufelskreis sieht Marco Schmidt vom Institut für Architektur der TU Berlin in der Begrünung von Dächern und Fassaden. Statt das Regenwasser ungenutzt abfließen zu lassen, speichern es Gründächer, um es an heißen Tagen zu verdunsten: „Das ist die einfachste und billigste Art, das Stadtklima zu verbessern“, sagt Schmidt. Der auf ökologisches Bauen spezialisierte Landschaftsplaner erforscht seit Jahren die positiven Wirkungen von Gründächern: „Wir haben in unseren Messungen nachgewiesen, dass sie den Großteil der Sonnenstrahlung in die Verdunstung von Wasser umwandeln“. Während sich ein Bitumendach im Sommer auf bis zu 70 Grad Celsius aufheize, blieben begrünte Dächer mit ca. 30 Grad Celsius deutlich kühler. Außerdem sorgt ein Gründach für eine längere Lebensdauer der Dachhaut sowie eine bessere Wärmeisolierung und damit für weniger Heizkosten im Winter. Im Sommer dagegen schirmt es das Gebäude gegen die Hitze ab.

Zwei Systeme: intensiv oder extensiv?

Von intensiver Dachbegrünung spricht man, wenn die Stärke des Erdsubstrats 20–60 cm beträgt, meist eine Bewässerung eingebaut wird und man Blütenstauden, Hainbuchenhecken und kleine Bäume pflanzen will. Eine extensive Dachbegrünung ist zwar die Sparvariante“, hat aber einige Vorteile. Der Dachaufbau und damit die Statik sind viel geringer ausgelegt, die Bodenschicht ist nur 8–15 cm stark. Eine Bewässerung fehlt. Geeignete, trockenverträgliche Pflanzen müssen sorgsam ausgewählt werden. Alternativ gibt es fertige Mischungen aus Saatgut und Sprossen verschiedener Arten von Mauerpfeffer. Klein, aber fein, wie gelber und weißer Mauerpfeffer, duftender Thymian, purpurne Heidenelke, Sandglöckchen und blühender Berg-Schnittlauch — bereits nach kurzer Zeit blüht es bunt und benötigt kaum Pflege. (Text der Broschüre entnommen „Moderne Unternehmen im Einklang mit der Natur“, Hrsg: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 2013)

Prinzipskizze extensive und intensive Begrünung, Optigrün

Leistungsfähigkeit

Eine nur 15 cm starke Dachbegrünung ist in der Lage ca. 50 % der Niederschlagsmenge zu speichern, entlastet also das Kanalsystem und die Höhe der Abwassergebühr. Dachbegrünung leistet einen Beitrag für die Schutzgüter Wasser, Boden und Mikroklima und ist deshalb als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme auch im Rahmen des Ökokontos anerkannt.

Flachdach und Pultdach

Flachdächer sind der Normalfall, aber auch Pultdächer mit einer Neigung von 20 bis 30 Grad lassen sich extensiv begrünen.

Gründach und Photovoltaik

Beides auf derselben Fläche schien sich anfangs zu widersprechen. In einem Forschungsprojekt konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die Verdunstungskühle der Vegetation eine Effizienzsteigerung der Photovoltaikanlagen bewirkt, also ein Synergieeffekt entsteht. (Garten+Landschaft 12/2009)

Chicago bekämpft die Klimaerwärmung

In den USA kommt es zu immer stärker belastenden Hitzewellen. Der Stadtrat von Chicago beschloss in einem Klima-Aktionsplan energieeffizientere öffentliche Gebäude und beschleunigte Genehmigungsverfahren für „grüne“ Projekte. Bisher gibt es in der Stadt 650.000 m² Dachbegrünung. (Die Zeit 24.11.2011)

Quellenangaben

Moderne Unternehmen im Einklang mit der Natur Leitfaden für ein naturnahes Betriebsgelände Hrsg: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 2013

Interessiert dich das Thema?

Möchtest du ein Projekt zu diesem Thema bearbeiten? Dann schreib uns hier ein kurze Nachricht.

Andere Themen, die dich interessieren könnten.